Was bedeutet mAh beim Akku? Kapazität richtig lesen

Was bedeutet mAh beim Akku? Kapazität richtig lesen

Tech-Wissen · Hintergrund
Dieser Artikel geht tiefer als unsere üblichen Ratgeber. Oben steht die verständliche Erklärung mit dem praktischen Fazit, weiter unten der Abschnitt für alle, die genau wissen wollen, was mAh physikalisch misst und warum die Zahl allein oft in die Irre führt. Mit Quellen zum Nachlesen.

Auf jedem Datenblatt eines Handys steht eine Zahl mit vier Stellen und dem Kürzel mAh: 4000, 5000, manchmal über 6000. Sie klingt nach Leistung, und die Faustregel „mehr ist besser“ stimmt grob auch. Trotzdem sagt sie weniger aus, als die meisten denken. Ein Akku mit mehr mAh hält nicht automatisch länger durch, und zwei Geräte mit der gleichen mAh-Zahl kommen im Alltag unterschiedlich weit. Dieser Artikel erklärt, was mAh eigentlich beschreibt, warum die Angabe nur die halbe Wahrheit ist, wie du sie in die aussagekräftigere Einheit Wattstunde umrechnest und was das beim Kauf eines Handys bedeutet.

Talkis Tipp. Wenn du dir nur eine Sache merkst: mAh misst nicht Energie, sondern Ladungsmenge. Für den direkten Vergleich zweier Handy-Akkus taugt die Zahl trotzdem, weil alle Smartphones dieselbe Zellenspannung von etwa 3,7 Volt haben. Sobald du aber eine Powerbank danach beurteilst, führt mAh dich in die Irre. Eine „10.000-mAh“-Powerbank lädt ein 5000-mAh-Handy nämlich nicht zweimal voll, weil die Spannung beim Ausgeben umgerechnet wird und dabei Energie verloren geht. Rechne im Zweifel in Wattstunden, dann vergleichst du Äpfel mit Äpfeln. — Talki, dein Berater

Das Wichtigste in Kürze

  • mAh steht für Milliamperestunde und beschreibt die Ladungsmenge, die ein Akku speichern kann, nicht die Energie. Ein Akku mit 5000 mAh kann rein rechnerisch 5000 Milliampere eine Stunde lang liefern, oder 2500 Milliampere zwei Stunden lang.
  • Mehr mAh heißt tendenziell mehr Laufzeit, aber nicht proportional. Wie lange ein Handy durchhält, hängt genauso am Verbrauch von Display und Chip.
  • Die eigentliche Energie steckt in der Wattstunde (Wh). Sie ergibt sich aus Spannung mal Kapazität, also Volt mal Amperestunde.
  • mAh ist nur bei gleicher Spannung vergleichbar. Unter Handys funktioniert das, weil alle bei rund 3,7 Volt liegen. Über verschiedene Gerätearten hinweg nicht.
  • Bei Powerbanks täuscht die mAh-Zahl. Sie ist auf die Zellenspannung bezogen, nicht auf die 5 Volt am USB-Ausgang.
  • mAh sagt nichts über den Zustand. Die Zahl auf dem Datenblatt ist die Nennkapazität im Neuzustand. Ein Akku verliert mit den Jahren an tatsächlicher Kapazität.

Die einfache Erklärung: mAh ist ein Maß für Ladung

Am schnellsten verstehst du mAh mit einem Bild. Stell dir den Akku als Wassertank vor. Die mAh-Zahl sagt, wie viel in den Tank passt, genauer: wie viel elektrische Ladung. Ein Akku mit 5000 mAh kann eine Stunde lang einen Strom von 5000 Milliampere abgeben, also 5 Ampere. Oder die Hälfte davon doppelt so lang. Oder ein Zehntel davon zehnmal so lang. Milliampere ist dabei ein Tausendstel Ampere, und die Stunde im Namen ist der Zeitbezug: Strom mal Zeit ergibt Ladung.

Wichtig ist das Wort Ladung. mAh misst nicht, wie viel Energie im Akku steckt, sondern wie viel elektrische Ladung durch ihn fließen kann. Das ist ein feiner, aber entscheidender Unterschied, an dem sich weiter unten alles aufhängt. Für den Alltag reicht erst mal: Je größer die mAh-Zahl, desto größer der Tank. Und ein größerer Tank ist grundsätzlich gut.

Warum mehr mAh nicht automatisch länger hält

Ein größerer Tank sagt noch nichts darüber, wie sparsam der Motor ist. Genau so ist es beim Handy. Die Laufzeit hängt an zwei Dingen: wie viel im Akku steckt und wie schnell das Gerät es verbraucht. Ein helles, großes Display zieht mehr Strom als ein kleines. Ein moderner, effizienter Prozessor kommt mit weniger aus als ein älterer. Mobilfunk in einem Funkloch, in dem das Handy ständig nach Empfang sucht, frisst deutlich mehr als WLAN mit gutem Signal.

Deshalb kann ein Handy mit kleinerem Akku länger durchhalten als eines mit größerem, wenn sein Chip und sein Display sparsamer sind. Die mAh-Zahl allein ist also kein Laufzeit-Versprechen. Sie ist eine von mehreren Zutaten. Wer nur auf die mAh schaut, vergleicht Tankgrößen und ignoriert den Verbrauch.

Von mAh zur Wattstunde: die ehrlichere Zahl

Die Einheit, die die Energie eines Akkus wirklich beschreibt, ist die Wattstunde. Sie berücksichtigt neben der Ladungsmenge auch die Spannung, unter der diese Ladung steht. Die Formel ist simpel:

Energie (Wh) = Spannung (V) × Kapazität (Ah)

Dabei ist die Amperestunde einfach tausend Milliamperestunden, also 5000 mAh gleich 5 Ah. Ein typischer Lithium-Ionen-Handyakku hat eine Nennspannung von etwa 3,7 Volt. Ein Akku mit 5000 mAh trägt also ungefähr 5 Ah mal 3,7 V, das sind rund 18,5 Wattstunden. Erst diese Zahl beschreibt die gespeicherte Energie und lässt sich fair zwischen unterschiedlichen Akkutypen vergleichen.

Kapazität in Amperestunden Nennspannung Energie (gerundet)
3000 mAh 3,0 Ah 3,7 V etwa 11,1 Wh
4000 mAh 4,0 Ah 3,7 V etwa 14,8 Wh
5000 mAh 5,0 Ah 3,7 V etwa 18,5 Wh
6000 mAh 6,0 Ah 3,7 V etwa 22,2 Wh

Solange die Spannung gleich bleibt, verhalten sich mAh und Wh proportional zueinander. Genau deshalb funktioniert der mAh-Vergleich unter Handys: Sie liegen alle bei ungefähr 3,7 Volt, die Umrechnung wäre für jedes dieselbe. Zwischen Gerätearten mit anderer Spannung ist das nicht mehr so.

Für alle, die es genau wissen wollen: Ladung, Spannung und die Powerbank-Falle

Ab hier wird es technisch. Wer nur den praktischen Teil wollte, kann zum Abschnitt über den Gebrauchtkauf springen.

Was mAh physikalisch misst

Strom ist Ladung pro Zeit. Multipliziert man den Strom wieder mit der Zeit, bleibt die Ladung übrig. Genau das ist die Milliamperestunde: eine Ladungseinheit. In der physikalischen Grundeinheit Coulomb entspricht eine Milliamperestunde 3,6 Coulomb. Die mAh-Angabe beantwortet damit die Frage „wie viel Ladung passt hinein“, aber nicht „wie viel Arbeit kann diese Ladung verrichten“. Diese zweite Frage beantwortet erst die Energie, und Energie ist Ladung mal Spannung. Ohne die Spannung fehlt der halbe Rechenweg.

Warum mAh ohne Spannung nur die halbe Wahrheit ist

Nimm zwei Akkus mit identischen 2400 mAh, aber unterschiedlicher Chemie und damit unterschiedlicher Spannung. Eine Lithium-Ionen-Zelle mit 3,6 Volt speichert deutlich mehr Energie als eine Nickel-Metallhydrid-Zelle mit 1,2 Volt, obwohl beide die gleiche mAh-Zahl tragen. In Wattstunden gerechnet klaffen sie weit auseinander. Erst die Wattstunde ist unabhängig von Chemie und Zellenverschaltung und damit die ehrliche Vergleichsgröße. Das ist auch der Grund, warum Laptop-Akkus meist direkt in Wattstunden angegeben werden und nicht in mAh: Sie bestehen aus mehreren Zellen mit höherer Gesamtspannung, da wäre eine reine mAh-Zahl irreführend.

Die Powerbank-Falle

Hier liegt der häufigste Denkfehler im Alltag. Eine Powerbank mit „10.000 mAh“ lädt ein Handy mit 5000 mAh nicht zwei volle Male auf, obwohl die Zahlen das nahelegen. Der Grund: Die mAh-Zahl der Powerbank bezieht sich auf ihre Zellen mit rund 3,7 Volt. Am USB-Ausgang liefert sie aber 5 Volt. Weil Energie erhalten bleibt, sinkt bei höherer Spannung die nutzbare Ladung, und die Umwandlung selbst kostet zusätzlich einen Teil als Wärme. Von den nominell 10.000 mAh kommen am Handy real oft nur um die zwei Drittel an. Wer solche Geräte vergleichen will, sollte die Wattstunden-Angabe suchen, die auf vielen Powerbanks klein danebensteht.

mAh sagt nichts über den C-Wert und nichts über das Alter

Zwei weitere Grenzen der Zahl. Erstens hängt die tatsächlich entnehmbare Kapazität davon ab, wie schnell du entlädst. Ziehst du sehr viel Strom auf einmal, kommt am Ende etwas weniger heraus als bei gemächlicher Entnahme. Diese Entladerate beschreiben Fachleute mit dem sogenannten C-Wert, die aufgedruckte Nennkapazität gilt streng genommen nur für eine bestimmte Rate. Zweitens ist die mAh-Zahl ein Neuwert. Jeder Lithium-Ionen-Akku verliert über Ladezyklen und Jahre an nutzbarer Kapazität. Ein Datenblatt mit 5000 mAh beschreibt den Auslieferungszustand, nicht den Akku von heute.

Was das für dich heißt, auch beim Gebrauchtkauf

Für die Kaufentscheidung ist die mAh-Zahl ein grober Orientierungswert, mehr nicht. Sinnvoll ist sie im Vergleich ähnlicher Geräte: Unter zwei Smartphones derselben Klasse deutet die höhere Zahl auf mehr Reserve hin. Sobald du aber Modelle mit unterschiedlich großem oder hellem Display und verschieden effizienten Chips gegeneinanderstellst, entscheidet der reale Verbrauch mit. Ein sparsames Gerät mit 4500 mAh kann ein hungriges mit 5000 mAh im Alltag schlagen.

Beim Kauf eines gebrauchten oder generalüberholten Smartphones kommt ein Punkt dazu, den kein Datenblatt beantwortet: die mAh-Zahl gilt für den Neuzustand, nicht für den heutigen. Entscheidend ist, wie viel der ursprünglichen Kapazität der Akku nach seiner bisherigen Nutzung noch hat. Deshalb prüfen wir bei unseren generalüberholten Geräten die Akkufunktion im Haus, statt uns auf die aufgedruckte Nennkapazität zu verlassen. Wie du den Akku-Zustand selbst ausliest und richtig deutest, steht im Ratgeber iPhone-Akku-Gesundheit prüfen und verstehen.

Talkis Empfehlung

Nimm die mAh-Zahl als das, was sie ist: die Größe des Tanks, nicht die Reichweite. Für einen schnellen Vergleich zweier ähnlicher Handys ist sie brauchbar, weil alle bei rund 3,7 Volt liegen. Willst du es genau wissen oder verschiedene Gerätearten vergleichen, rechne in Wattstunden, dann steckt die Spannung mit drin. Und bei Powerbanks lass dich von der großen Zahl nicht blenden, die reale Ausbeute liegt darunter. Wenn du beim nächsten Handy unsicher bist, wie viel Akku du für deinen Alltag wirklich brauchst, frag mich. Meistens zählt weniger die letzte Hunderterstelle auf dem Datenblatt als die Frage, wie sparsam das Gerät insgesamt arbeitet.

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Häufige Fragen

Was bedeutet mAh beim Handy-Akku? mAh steht für Milliamperestunde und gibt an, wie viel elektrische Ladung der Akku speichern kann. Ein Akku mit 5000 mAh kann rechnerisch eine Stunde lang 5000 Milliampere liefern, oder entsprechend länger bei geringerem Strom. Die Zahl beschreibt die Kapazität im Neuzustand, nicht die Laufzeit und nicht den heutigen Zustand.

Ist mehr mAh immer besser? Tendenziell ja, aber nicht automatisch. Mehr mAh bedeutet mehr Reserve, doch wie lange ein Handy durchhält, hängt genauso am Verbrauch von Display, Prozessor und Empfang. Ein sparsames Gerät mit kleinerem Akku kann länger laufen als ein hungriges mit größerem.

Wie rechne ich mAh in Wattstunden um? Teile die mAh durch 1000, um Amperestunden zu bekommen, und multipliziere mit der Nennspannung. Bei einem Handyakku sind das rund 3,7 Volt. 5000 mAh ergeben also etwa 5 Ah mal 3,7 V, rund 18,5 Wattstunden.

Warum lädt eine 10.000-mAh-Powerbank mein 5000-mAh-Handy nicht zweimal voll? Weil die mAh-Angabe der Powerbank sich auf ihre Zellen mit etwa 3,7 Volt bezieht, der USB-Ausgang aber 5 Volt liefert. Bei der Umwandlung sinkt die nutzbare Ladung, zusätzlich geht ein Teil als Wärme verloren. Real kommen oft nur rund zwei Drittel der aufgedruckten Kapazität am Handy an.

Sagt die mAh-Zahl etwas über die Lebensdauer des Akkus? Nein. mAh beschreibt die Kapazität im Neuzustand. Wie lange ein Akku hält und wie schnell er altert, hängt an der Zahl der Ladezyklen, an Temperatur und Ladeverhalten. Ein alter Akku hat weniger nutzbare Kapazität, als auf dem Datenblatt steht.

Warum stehen Handy-Akkus in mAh, Laptop-Akkus aber in Wattstunden? Weil Handys eine einzelne Lithium-Ionen-Zelle mit einheitlicher Spannung nutzen, ist die mAh-Zahl dort untereinander vergleichbar. Laptops bündeln mehrere Zellen mit höherer Gesamtspannung, da wäre eine reine mAh-Angabe irreführend, deshalb steht die spannungsunabhängige Wattstunde.

Quellen und zum Weiterlesen

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