Was sind Ladezyklen? Akku-Alterung verständlich erklärt

Was sind Ladezyklen? Akku-Alterung verständlich erklärt

Tech-Wissen · Hintergrund
Dieser Artikel geht tiefer als unsere üblichen Ratgeber. Oben steht die verständliche Erklärung mit dem praktischen Fazit, weiter unten der Abschnitt für alle, die genau wissen wollen, wie ein Lithium-Akku chemisch altert und warum die Zahl der Ladezyklen dafür nur ein grobes Maß ist. Mit Quellen zum Nachlesen.

Jeder Handy-Akku wird mit der Zeit schwächer, das lässt sich nicht verhindern. Als Maß dafür, wie viel Leben noch in ihm steckt, taucht überall der Begriff Ladezyklus auf: Apple und Samsung zählen ihn, im Batteriezustand deines Handys steht eine Zyklenzahl, und beim Gebrauchtkauf wird gern damit argumentiert. Nur ist ein Ladezyklus nicht dasselbe wie einmal einstecken. Dieser Artikel erklärt, was ein Ladezyklus wirklich ist, ab wann die Kapazität spürbar sinkt und was du tun kannst, damit es länger dauert. Die Kurzfassung oben, die Chemie darunter.

Talkis Tipp. Wenn du dir nur eine Sache merkst: Ein Ladezyklus ist verbraucht, wenn du insgesamt 100 Prozent Kapazität nachgeladen hast, egal in wie vielen Häppchen. Zweimal von 50 auf 100 Prozent ist ein Zyklus, nicht zwei. Zähl also nicht die Steckdosen-Momente. Und schon der Blick in die Einstellungen verrät dir viel: Beim iPhone unter Einstellungen → Batterie → Batteriezustand & Laden siehst du die maximale Kapazität. Wie du diese Zahl richtig deutest, steht im Ratgeber iPhone-Akku-Gesundheit prüfen und verstehen. — Talki, dein Berater

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Ladezyklus ist voll, wenn 100 Prozent Kapazität nachgeladen wurden, nicht bei jedem Einstecken. Aus vielen Teilladungen wird zusammengerechnet ein Zyklus.
  • Ladezyklen sind nur ein grobes Maß. Wie stark ein Akku pro Zyklus altert, hängt davon ab, wie tief er entladen und wie er behandelt wird.
  • Die 80-Prozent-Marke ist der Industrie-Bezugspunkt. Hersteller geben an, nach wie vielen Zyklen der Akku noch 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität hält.
  • Apple nennt konkrete Werte: iPhone 15 und neuer sind auf 80 Prozent bei 1000 vollständigen Zyklen ausgelegt, iPhone 14 und älter auf 80 Prozent bei 500 Zyklen, jeweils unter idealen Bedingungen.
  • Hitze und ständiges Vollladen beschleunigen die Alterung. Beides stresst die Zelle chemisch mehr als die reine Zahl der Zyklen.
  • Kleine Nachladungen sind gut, keine schädlichen Vollentladungen nötig. Lithium-Akkus haben keinen Memory-Effekt.

Die einfache Erklärung: Zyklen zählen, nicht Steckdosen

Der häufigste Denkfehler: Viele glauben, jedes Anstecken sei ein Ladezyklus. Ist es nicht. Ein Ladezyklus ist erst voll, wenn du in Summe eine ganze Akkuladung nachgeschoben hast, also 100 Prozent der Kapazität. Apple beschreibt das genau so: Ein Zyklus ist verbraucht, wenn du eine Menge genutzt hast, die 100 Prozent deiner Kapazität entspricht, egal ob an einem Stück oder über mehrere Tage verteilt.

Ein Beispiel. Du gehst mit 100 Prozent aus dem Haus, kommst mit 25 Prozent an und lädst wieder voll: verbraucht sind 75 Prozent, also drei Viertel Zyklus. Am nächsten Tag noch ein Viertel nachgeladen, und der erste volle Ladezyklus ist zusammen. Wer sein Handy tagsüber öfter kurz ansteckt, sammelt viele kleine Ladungen, die zusammen trotzdem nur einen Zyklus ergeben. Deshalb ist die Zyklenzahl fast immer viel niedriger, als man beim Zählen der Ladevorgänge vermuten würde.

Was du machst Nachgeladen Verbrauchte Zyklen
Einmal von 0 auf 100 Prozent 100 Prozent 1 Zyklus
Zweimal von 50 auf 100 Prozent 2 × 50 Prozent 1 Zyklus
Viermal von 75 auf 100 Prozent 4 × 25 Prozent 1 Zyklus
Zehnmal von 90 auf 100 Prozent 10 × 10 Prozent 1 Zyklus

Was ein Ladezyklus mit dem Alter zu tun hat

Ein Akku hält nicht ewig, weil jedes Laden und Entladen die Zelle chemisch ein winziges Stück abnutzt. Deshalb sinkt die maximale Kapazität mit der Zeit: Das Handy fasst weniger, hält also einen Tag lang nicht mehr so durch wie am Anfang. Als gemeinsamen Bezugspunkt hat sich die 80-Prozent-Marke eingebürgert. Hersteller geben an, nach wie vielen vollständigen Zyklen der Akku im Schnitt noch 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität hält.

Apple ist hier ungewöhnlich konkret. Batterien von iPhone 15 und neuer sind darauf ausgelegt, unter idealen Bedingungen nach 1000 vollständigen Ladezyklen noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität zu halten. Bei iPhone 14 und älter sind es 500 Zyklen. Das ist kein Verfallsdatum: Auch danach lädt der Akku weiter, er fasst nur spürbar weniger. Wie schnell es in der Praxis geht, hängt stark davon ab, wie das Gerät benutzt und geladen wird.

Für alle, die es genau wissen wollen: warum Zyklen nur die halbe Wahrheit sind

Ab hier wird es chemisch. Wer nur den praktischen Teil wollte, kann zum Abschnitt über den Gebrauchtkauf springen.

Warum die reine Zyklenzahl täuscht

So handlich die Zahl ist, so ungenau ist sie als alleiniges Maß. Die Battery University weist in ihrer Referenz BU-808 darauf hin, dass es keine allgemein gültige Definition dafür gibt, was genau ein Zyklus ist, weil eine Entladung unterschiedlich tief ausfallen kann. Zwei Handys mit derselben Zyklenzahl können sehr unterschiedlich gealtert sein, je nachdem, wie sie behandelt wurden.

Der entscheidende Faktor heißt Entladetiefe, englisch Depth of Discharge: wie weit der Akku bei jedem Zyklus heruntergefahren wird. Labordaten zeigen hier einen deutlichen Zusammenhang. Wer den Akku nur flach entlädt und häufig zwischendurch nachlädt, holt aus derselben Zelle ein Vielfaches an Zyklen heraus, bevor die Kapazität abfällt. Tiefe Entladungen von fast leer auf voll kosten überproportional viel Lebensdauer, flache Teilentladungen im mittleren Bereich schonen die Zelle. Deshalb ist die pauschale Zyklenzahl nur die halbe Wahrheit.

Was den Akku wirklich altern lässt

Neben der Zahl der Zyklen gibt es zwei Belastungen, die die Chemie stärker stressen als das bloße Laden:

  • Hitze. Wärme beschleunigt die chemischen Reaktionen in der Zelle, und die falschen davon lassen den Akku dauerhaft altern. Ein Handy, das oft in der Sonne, im heißen Auto oder unter der Bettdecke lädt, verliert schneller an Kapazität. Warum das so ist, vertiefen wir im Ratgeber Warum Hitze dem Akku schadet.
  • Ständig randvoll oder ganz leer. Ein Lithium-Akku fühlt sich im mittleren Ladebereich am wohlsten. Stundenlang bei 100 Prozent gehalten oder regelmäßig tief entladen zu werden, setzt der Zelle mehr zu als ein Betrieb irgendwo dazwischen.

Genau dafür gibt es die Schutzfunktionen der Hersteller. Beim iPhone füllt das optimierte Laden die letzten Prozent erst kurz vor deiner üblichen Aufstehzeit. Samsung bietet unter dem Namen Batterieschutz eine Option, die das Laden je nach Modell und Softwarestand bei etwa 80 oder 85 Prozent begrenzt. Beides verkürzt die Zeit im stressigen Vollzustand.

Ein hartnäckiger Mythos: der Memory-Effekt

Aus der Zeit der alten Nickel-Akkus hält sich die Idee, man müsse einen Akku regelmäßig ganz leer laufen lassen, damit er seine Kapazität behält. Für die Lithium-Akkus heutiger Handys stimmt das nicht. Sie haben keinen Memory-Effekt, und die Battery University ist eindeutig: Teilentladungen sind völlig in Ordnung, regelmäßige Vollentladungen sind nicht nötig und schaden eher. Häufiges kleines Nachladen ist besser als das Warten, bis er fast leer ist.

Was das für dich heißt, auch beim Gebrauchtkauf

Im Alltag folgt aus alldem eine einfache Handlungsregel: Halte den Akku möglichst im mittleren Bereich, lade lieber öfter kurz nach als selten von ganz leer auf ganz voll, und lade nicht in der Hitze. Wie du das konkret umsetzt und welche verbreiteten Ratschläge dabei nichts bringen, steht im Ratgeber Smartphone-Akku schonen.

Beim Gebrauchtkauf ist die Zyklenzahl ein nützlicher, aber kein alleiniger Maßstab. Aussagekräftiger ist die maximale Kapazität in Prozent, weil sie zeigt, was vom Akku noch übrig ist, unabhängig davon, wie die Zyklen zustande kamen. Wichtig ist außerdem, wer den Zustand geprüft hat. Bei unseren generalüberholten Smartphones ist der Akku im Haus geprüft, du kaufst also nicht blind. Neu oder generalüberholt, in beiden Fällen gilt: Ein Blick auf den ausgewiesenen Akku-Zustand sagt mehr als jede Zyklen-Faustregel.

Talkis Empfehlung

Nimm die Zyklenzahl als das, was sie ist: eine grobe Kilometeranzeige, nicht der TÜV-Bericht. Ein Ladezyklus ist erst voll, wenn du 100 Prozent Kapazität nachgeladen hast, und wie schnell die Kapazität danach sinkt, entscheidest du zum guten Teil selbst. Lade im mittleren Bereich, meide Hitze und vergiss die alte Regel vom Leerlaufen. Wenn du ein gebrauchtes Handy ins Auge fasst, schau weniger auf die reine Zyklenzahl und mehr auf die ausgewiesene Restkapazität und darauf, dass der Zustand geprüft ist.

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Häufige Fragen

Was sind Ladezyklen einfach erklärt? Ein Ladezyklus ist verbraucht, wenn du insgesamt 100 Prozent der Akkukapazität nachgeladen hast. Das muss nicht an einem Stück passieren: Zweimal von 50 auf 100 Prozent ergibt zusammen einen Zyklus, nicht zwei. Deshalb liegt die Zyklenzahl fast immer deutlich unter der Zahl der Ladevorgänge.

Ist jedes Aufladen ein Ladezyklus? Nein. Ein einzelnes Anstecken zählt nur anteilig. Erst wenn sich viele Teilladungen zu 100 Prozent summieren, ist ein voller Zyklus zusammen. Wer tagsüber öfter kurz nachlädt, verbraucht damit trotzdem nur einen Bruchteil eines Zyklus.

Wie viele Ladezyklen hält ein Handy-Akku? Als Bezugspunkt gilt, nach wie vielen Zyklen noch 80 Prozent der ursprünglichen Kapazität übrig sind. Apple legt iPhone 15 und neuer auf 1000 vollständige Zyklen aus, iPhone 14 und älter auf 500, jeweils unter idealen Bedingungen. Danach ist der Akku nicht kaputt, er fasst nur weniger. Der tatsächliche Wert hängt stark vom Gebrauch ab.

Was bedeutet die 80-Prozent-Marke beim Akku? Sie ist der Industrie-Vergleichspunkt für die Alterung. Hält der Akku nur noch 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität, gilt er als merklich gealtert. Er funktioniert weiter, hält aber pro Ladung entsprechend kürzer durch.

Sollte ich den Akku immer ganz leer laufen lassen? Nein, das ist ein Mythos aus der Zeit der Nickel-Akkus. Lithium-Akkus haben keinen Memory-Effekt. Häufiges kleines Nachladen im mittleren Bereich schont die Zelle mehr, als sie regelmäßig fast leer zu fahren.

Quellen und zum Weiterlesen

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