UFS oder eMMC? Der Handy-Speicher erklärt

UFS oder eMMC? Der Handy-Speicher erklärt

Tech-Wissen · Hintergrund
Dieser Artikel geht tiefer als unsere üblichen Ratgeber. Oben steht die verständliche Erklärung mit dem praktischen Fazit, weiter unten der Abschnitt für alle, die genau wissen wollen, wie die beiden Speichertypen technisch aufgebaut sind. Mit Quellen zum Nachlesen.

In jedem Datenblatt steht, wie viele Gigabyte ein Handy hat. Was fast nie dabeisteht: mit welcher Technik dieser Speicher angebunden ist. Genau das entscheidet aber, wie schnell sich das Gerät anfühlt. Zwei Namen tauchen dabei auf: UFS und eMMC. Beide bezeichnen den fest verbauten Flash-Speicher, aus dem dein Smartphone Apps, Fotos und das Betriebssystem lädt. Nur arbeiten sie völlig unterschiedlich. Dieser Artikel erklärt, was UFS und eMMC sind, warum der Typ oft mehr über das Tempo sagt als die reine Speichergröße, und worauf du beim Kauf achtest. Die Kurzfassung oben, die Technik darunter.

Talkis Tipp. Wenn du dir nur eine Sache merkst: UFS ist der modernere und deutlich schnellere Speichertyp, eMMC der ältere, langsamere. Zwei Handys mit gleich viel Gigabyte können sich im Alltag völlig unterschiedlich anfühlen, je nachdem, was verbaut ist. Bei einem größeren Markengerät der letzten Jahre steckt so gut wie immer UFS drin. eMMC findest du fast nur noch in sehr günstigen Einsteigergeräten. Achte im Zweifel nicht nur auf die Zahl vor dem „GB", sondern auf den Speichertyp. — Talki, dein Berater

Das Wichtigste in Kürze

  • UFS und eMMC sind zwei Arten, den fest verbauten Handy-Speicher anzubinden. Beide sind Flash-Speicher mit eigenem Controller, beide von der Normungsorganisation JEDEC standardisiert.
  • eMMC ist die ältere Technik. Sie stammt aus der Welt der Speicherkarten und arbeitet über einen breiten, aber langsamen Weg. Die Entwicklung ist praktisch bei Version 5.1 stehen geblieben.
  • UFS ist der moderne Nachfolger. Er nutzt eine serielle Hochgeschwindigkeitsanbindung, wie man sie von SSDs kennt, und kann Lesen und Schreiben gleichzeitig.
  • Der Unterschied ist im Alltag spürbar, wenn Apps starten, viele Fotos auf einmal laden oder große Updates installiert werden.
  • Die Gigabyte-Zahl sagt nichts über den Typ. Ein Gerät mit viel Speicher kann trotzdem langsames eMMC haben, ein kleineres kann schnelles UFS haben.
  • In aktuellen Mittelklasse- und Oberklasse-Smartphones ist UFS Standard. eMMC begegnet dir vor allem noch bei sehr preiswerten Einsteigern.

Die einfache Erklärung: eine schmale und eine breite Spur

Stell dir den Speicher als Straße zwischen dem Prozessor und den Flash-Chips vor. Bei eMMC ist das eine Straße, auf der der Verkehr nur in eine Richtung gleichzeitig fließt. Das Handy kann entweder lesen oder schreiben, aber nicht beides im selben Moment. Bei UFS gibt es getrennte Spuren für hin und zurück. Lesen und Schreiben laufen parallel. Deshalb fühlt sich UFS flüssiger an, sobald mehrere Dinge gleichzeitig passieren, etwa wenn eine App startet, während im Hintergrund Fotos gesichert werden.

Dazu kommt ein zweiter Unterschied. eMMC nimmt Aufgaben streng nacheinander an: Erst wenn ein Befehl fertig ist, kommt der nächste. UFS kann mehrere Aufträge annehmen und intelligent sortieren, ähnlich wie ein Kellner, der mehrere Bestellungen im Kopf behält, statt jeden Gang einzeln abzuarbeiten. Genau dieses Sortieren macht sich bemerkbar, wenn viele kleine Zugriffe auf einmal anfallen, was beim Öffnen von Apps ständig passiert.

Warum der Speichertyp oft mehr zählt als die Gigabyte

Die meisten schauen beim Kauf nur auf die Speichergröße, weil sie leicht zu vergleichen ist. Wie voll das Gerät wird, hängt tatsächlich an den Gigabyte. Wie schnell es sich anfühlt, hängt dagegen stark am Speichertyp. Zwei Geräte mit derselben Zahl im Datenblatt können sich beim Laden großer Apps oder beim Installieren eines Systemupdates deutlich unterscheiden, wenn das eine auf UFS setzt und das andere auf eMMC.

Für dich heißt das: Die Gigabyte-Angabe beantwortet die Frage „passt alles drauf", nicht die Frage „ist es schnell". Gerade bei sehr günstigen Geräten lohnt der Blick auf den Speichertyp, weil dort noch eMMC verbaut sein kann. Bei einem generalüberholten Smartphone aus der Mittel- oder Oberklasse ist der schnelle UFS-Speicher dagegen praktisch gesetzt, auch wenn das Gerät ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

UFS und eMMC im Vergleich

Merkmal eMMC UFS
Anbindung paralleler Bus serielle Hochgeschwindigkeitsleitung
Lesen und Schreiben nur nacheinander (halb-duplex) gleichzeitig (voll-duplex)
Befehle einer nach dem anderen mehrere parallel, sortiert (Command Queuing)
Herkunft Speicherkarten-Technik (MMC) an SSDs angelehntes Modell (SCSI)
Weiterentwicklung weitgehend eingestellt (5.1) aktiv, aktuell Version 4.1
Typisch heute in sehr günstigen Einsteigern Mittel- und Oberklasse

Für alle, die es genau wissen wollen: Bus, Duplex und zwei Normfamilien

Ab hier wird es technisch. Wer nur den praktischen Teil wollte, kann zum Abschnitt über den Gebrauchtkauf springen.

Zwei Standards derselben Organisation

Beide Speichertypen sind bei JEDEC genormt, der Organisation, die Halbleiter-Standards festlegt. eMMC steht für „embedded MultiMediaCard" und geht auf die MMC-Speicherkarte zurück, festgehalten in der Normreihe JESD84. Die letzte große Fassung ist eMMC 5.1 (JESD84-B51) aus dem Jahr 2015. Seither ist im Handy-Bereich kaum etwas nachgekommen, die Technik gilt als ausgereizt.

UFS steht für „Universal Flash Storage" und ist in der Normreihe JESD220 festgelegt. Die erste Fassung erschien 2011, seither läuft die Entwicklung stetig weiter: Version 3.0 kam 2018, Version 3.1 im Jahr 2020, Version 4.0 im Jahr 2022 und Version 4.1 Ende 2024. Dass an UFS aktiv weitergearbeitet wird und eMMC im Wesentlichen stehen bleibt, ist der klarste Hinweis darauf, welcher Typ die Zukunft im Smartphone ist.

Parallel gegen seriell

Der entscheidende technische Unterschied liegt in der Art der Verbindung. eMMC nutzt einen parallelen Bus: mehrere Datenleitungen nebeneinander, über die Bits gleichzeitig wandern. Das klingt erst einmal nach viel Durchsatz, stößt bei hohen Taktraten aber an physikalische Grenzen, weil die einzelnen Leitungen synchron bleiben müssen. Zudem ist dieser Bus halb-duplex: In einem Moment fließen Daten nur in eine Richtung, entweder gelesen oder geschrieben.

UFS setzt stattdessen auf eine serielle Hochgeschwindigkeitsleitung nach dem M-PHY-Standard der MIPI Alliance, kombiniert mit getrennten Pfaden für Senden und Empfangen. Dadurch arbeitet UFS voll-duplex, kann also gleichzeitig lesen und schreiben. Serielle Leitungen lassen sich sauber viel höher takten als parallele Busse, weshalb UFS mit jeder Version deutlich zulegen konnte, während eMMC am parallelen Prinzip hängt.

Warteschlange gegen Einzelbefehl

Der zweite große Hebel ist die Art, wie Befehle abgearbeitet werden. eMMC folgt einem einfachen Muster: ein Befehl, warten, bis er fertig ist, nächster Befehl. Bei vielen kleinen Zugriffen entsteht so Leerlauf.

UFS lehnt sich an das SCSI-Modell an, das man aus der Welt der Festplatten und SSDs kennt, und beherrscht Command Queuing. Das Gerät kann mehrere Aufträge gleichzeitig entgegennehmen und in einer sinnvollen Reihenfolge abarbeiten, statt stur nacheinander. Bei zufälligen, verstreuten Zugriffen, wie sie ein Betriebssystem ständig erzeugt, bringt das mehr spürbaren Gewinn als die reine Bandbreite. Genau hier trennt sich im Alltag flüssig von zäh.

Warum eMMC nicht einfach verschwindet

Wenn UFS überall besser ist, warum gibt es eMMC noch? Weil es billiger, sehr genügsam und ausgereift ist. Für einfache Geräte, bei denen es nicht auf Spitzentempo ankommt, reicht eMMC völlig und drückt den Preis. Deshalb steckt es weiter in sehr günstigen Smartphones, in vielen Tablets der Einstiegsklasse und in unzähligen anderen Geräten vom Fernseher bis zur Industrieelektronik. Im Smartphone-Markt der Mittel- und Oberklasse hat UFS es aber längst abgelöst.

Was das für dich heißt, auch beim Gebrauchtkauf

Beim Kauf eines gebrauchten oder generalüberholten Handys ist der Speichertyp ein stilles Qualitätsmerkmal. Ein größeres Markengerät, das vor einigen Jahren zur Mittel- oder Oberklasse gehörte, bringt fast immer UFS mit. Damit fühlt es sich beim Laden von Apps und beim Installieren von Updates oft flotter an als ein brandneues Billiggerät mit eMMC. Der Speichertyp altert nämlich nicht: Ein UFS-Speicher von vor vier Jahren arbeitet noch immer nach demselben schnellen Prinzip.

Praktisch heißt das: Lass dich nicht allein von der Gigabyte-Zahl leiten. Ein generalüberholtes Smartphone aus einer ordentlichen Modellreihe gibt dir in der Regel den schnellen UFS-Speicher, ohne dass du dafür extra darauf achten müsstest. Wie viel Speicher du wirklich brauchst, ist eine andere Frage, die der Ratgeber Wie viel Speicher braucht mein Handy behandelt.

Talkis Empfehlung

UFS gegen eMMC ist im Kern die Frage: moderne, serielle Anbindung mit gleichzeitigem Lesen und Schreiben, oder ältere, parallele Technik, die nur eines zur Zeit kann. Für das gefühlte Tempo eines Handys zählt dieser Unterschied oft mehr als ein paar Gigabyte mehr oder weniger. Die gute Nachricht: Du musst das selten aktiv suchen. Sobald du dich außerhalb der billigsten Einsteigerklasse bewegst, bekommst du UFS praktisch automatisch, und das gilt genauso für gut erhaltene Gebrauchtgeräte. Wenn du also ein Smartphone aussuchst, achte auf eine solide Modellreihe, dann stimmt der Speichertyp meistens von selbst.

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Häufige Fragen

Was ist UFS-Speicher einfach erklärt? UFS steht für Universal Flash Storage und ist die moderne Art, den fest verbauten Speicher im Smartphone anzubinden. Er nutzt eine serielle Hochgeschwindigkeitsleitung und kann gleichzeitig lesen und schreiben. Dadurch fühlt sich das Gerät im Alltag schneller an als mit dem älteren eMMC.

Was ist der Unterschied zwischen UFS und eMMC? eMMC ist die ältere Technik, abgeleitet von Speicherkarten. Sie arbeitet über einen parallelen Bus und kann nur lesen oder schreiben, nie beides gleichzeitig. UFS ist der Nachfolger, nutzt eine serielle Verbindung, arbeitet voll-duplex und kann mehrere Befehle gleichzeitig verwalten. UFS ist damit deutlich schneller.

Ist UFS besser als eMMC? Für Geschwindigkeit ja, klar. UFS liest und schreibt gleichzeitig und verarbeitet viele Zugriffe parallel. eMMC hat nur noch den Vorteil, günstiger und genügsamer zu sein, weshalb es in sehr preiswerten Geräten überlebt.

Woran erkenne ich, welchen Speicher ein Handy hat? Der Typ steht selten auf der Verpackung, aber meist in den ausführlichen technischen Daten des Herstellers oder in Testberichten. Als Faustregel: Mittel- und Oberklasse-Smartphones der letzten Jahre haben UFS, sehr günstige Einsteiger teils noch eMMC.

Spielt der Speichertyp bei einem gebrauchten Handy eine Rolle? Ja. Der Speichertyp verschleißt nicht wie ein Akku. Ein generalüberholtes Gerät aus einer soliden Modellreihe bringt denselben schnellen UFS-Speicher mit wie am ersten Tag und fühlt sich dadurch oft flotter an als ein neues Billiggerät mit eMMC.

Was bedeuten die UFS-Zahlen wie 3.1 oder 4.0? Das sind Versionen des Standards. Höhere Versionen bringen mehr Tempo und Zusatzfunktionen. Fürs Gefühl im Alltag ist aber schon der Sprung von eMMC auf irgendeine UFS-Version der größte, die Unterschiede zwischen den UFS-Versionen sind feiner.

Quellen und zum Weiterlesen

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