Porträtfotos mit dem Handy: So gelingen dir gute Bilder von Menschen
Ein gutes Porträt lebt nicht von der teuersten Kamera, sondern von drei Dingen, die du selbst in der Hand hast: Licht, Abstand und Hintergrund. Das Handy erledigt den Rest, wenn du ihm die richtige Ausgangslage gibst. Diese Anleitung zeigt dir die Praxis Schritt für Schritt, mit den echten Menüwegen für iPhone, Samsung Galaxy und Google Pixel. Wie die Hintergrundunschärfe technisch entsteht, erklärt der Hintergrund-Ratgeber Porträtmodus und Bokeh. Hier geht es rein ums Machen.
Das Wichtigste in Kürze
- Weiches Licht schlägt viel Licht. Bewölkter Himmel, Schatten oder die Stunde nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang schmeicheln jedem Gesicht mehr als pralle Mittagssonne.
- Halte Abstand und nutz das Teleobjektiv. Ein, zwei Schritte zurück und ein leichter Zoom verzerren die Gesichtszüge weniger als die Weitwinkel-Nahaufnahme.
- Der Porträtmodus rechnet den Hintergrund unscharf. Auf allen drei Systemen ein eigener Aufnahmemodus, den du vor dem Auslösen wählst. Eine ruhige Fläche hinter dem Kopf lässt die Person heraustreten.
- Der Fokus gehört aufs Auge. Tipp im Sucher auf die Augen, dann sitzt die Schärfe da, wo sie hingehört. Bei iPhone und Pixel lässt sich die Unschärfe auch nach der Aufnahme noch anpassen.
Schritt 1: Das Licht zuerst
Licht ist die halbe Miete beim Porträt. Bevor du an Modus oder Zoom denkst, schau, woher es kommt.
- Weiches Licht bevorzugen. Direkte Mittagssonne wirft harte Schatten unter Augen und Nase. Ein bewölkter Himmel, der Schatten unter einem Baum oder die goldene Stunde nach Sonnenaufgang und vor Sonnenuntergang geben gleichmäßiges, schmeichelndes Licht.
- Licht von vorne oder halbschräg. Das Gesicht soll beleuchtet sein, nicht der Rücken. Steht die Person im Gegenlicht, tippe im Sucher aufs Gesicht oder dreh sie zum Licht.
- Am Fenster fotografieren. Drinnen ist ein großes Fenster die beste Lichtquelle. Stell dein Gegenüber seitlich davor, das gibt weiche Modellierung im Gesicht. In dunklen Räumen hilft der Nachtmodus; stütz dann die Hände ab und bitte die Person, kurz still zu halten.
Schritt 2: Abstand halten und das Teleobjektiv nutzen
Der häufigste Anfängerfehler ist, mit dem Weitwinkel zu nah heranzugehen. Das zieht Nase und Stirn optisch nach vorne und wirkt unvorteilhaft. Besser ist Abstand plus ein leichter Zoom.
- Ein, zwei Schritte zurück. Aus etwas Entfernung wirken die Gesichtszüge natürlicher und proportionaler.
- Auf die Telelinse wechseln. Hat dein Handy mehrere Kameras, tippe im Sucher auf die 2x- oder 3x-Stufe. Diese Brennweite ist für Porträts gemacht und komprimiert die Züge angenehm. Warum mehr Linsen nützen, steht im Ratgeber Worauf es bei der Handykamera ankommt.
- Auf Augenhöhe gehen. Fotografier nicht von oben herab und nicht steil von unten. Die Kamera etwa auf Höhe der Augen ergibt das ausgewogenste Bild, bei Kindern heißt das: in die Hocke.
Schritt 3: Den Porträtmodus einschalten
Der Porträtmodus stellt die Person scharf und rechnet den Hintergrund weich. Auf allen drei Systemen ist das ein eigener Aufnahmemodus, den du vor dem Auslösen wählst:
iPhone. Öffne die Kamera-App und wisch im Modus-Wähler zu Porträt. Ist der Modus bereit, wird der Name des Lichteffekts, etwa Natürliches Licht, gelb. Deine Person sollte etwa zwei bis acht Fuß, also grob einen bis zweieinhalb Meter, entfernt stehen. Ist sie zu nah oder zu weit weg, blendet das iPhone einen Hinweis ein, näher heranzugehen oder Abstand zu nehmen. Unten im Sucher kannst du zwischen Lichteffekten wischen, von Studio-Licht über Konturlicht bis zu den Bühnenlicht-Varianten. Über das Blenden-Symbol oben stellst du mit dem Regler die Stärke der Unschärfe ein.
Samsung Galaxy. Öffne die Kamera-App und tippe unten auf Porträt. Wähle im Sucher einen Hintergrundeffekt, zur Auswahl stehen je nach Modell Unschärfe, Studio, Mono, Hintergrund und Farbpunkt. Über den Schieberegler stellst du die Intensität ein, dann löst du mit dem Auslöser aus. Für bewegte Porträts findest du unter Mehr den Modus Porträtvideo.
Google Pixel. Öffne die Kamera-App und wähle im Modus-Karussell Porträt, dann löse mit dem Auslöser aus. Die Pixel-Kamera trennt die Person per Bilderkennung vom Hintergrund und legt die Unschärfe darüber. Unter den Einstellungen findest du die Gesichtsretusche, die du auf aus, natürlich oder dezent stellen kannst, falls du die Haut leicht glätten möchtest.
Ein Hinweis für alle drei: Der berechnete Rand zwischen Person und Hintergrund gelingt am besten bei genug Licht und ruhiger Kamera. Feine Haare, Brillenränder oder ein Hintergrund in ähnlicher Farbe bringen die Kantenerkennung schneller durcheinander.
Schritt 4: Hintergrund und Bildaufbau
Der Hintergrund entscheidet mit, ob ein Porträt ruhig oder unruhig wirkt.
- Fläche statt Gewusel. Eine gleichmäßige Wand, eine Hecke oder der Himmel geben einen ruhigen Rahmen. Achte darauf, dass keine Laterne und kein Ast aus dem Kopf zu wachsen scheint.
- Abstand zum Hintergrund schaffen. Je weiter die Person von der Wand weg steht, desto weicher wird der Hintergrund, auch ohne Porträtmodus.
- Die Drittelregel nutzen. Schalte das Raster in den Kamera-Einstellungen ein und setz die Augen auf die obere Drittellinie, statt die Person zu zentrieren. Lass etwas Luft über dem Kopf und schneide nicht an Gelenken ab.
Schritt 5: Fokus aufs Auge und Timing
Steht die Szene, machen zwei Kleinigkeiten den Unterschied.
- Fokus setzen. Tipp im Sucher direkt auf die Augen. Sitzt die Schärfe auf dem Auge, verzeiht das Bild vieles andere. Auf einem unscharfen Auge wirkt selbst ein gut belichtetes Porträt daneben.
- Locker auslösen. Sag deinem Gegenüber, was es tun soll, statt nur „lächel mal“. Ein kurzer Blick zur Seite und dann in die Kamera, ein echtes Lachen, das wirkt natürlicher als eingefrorenes Posieren. Mach mehrere Aufnahmen und such später die beste aus. Für ein Selfie stütz das Handy ab und nutz den Selbstauslöser, dann hältst du ruhiger als mit ausgestrecktem Arm.
Schritt 6: Nachbearbeiten mit Augenmaß
Die stärkste Korrektur passiert vor der Aufnahme, doch ein paar Handgriffe danach lohnen sich.
- Unschärfe nachträglich ändern. Bei iPhone und Pixel kannst du die Hintergrundunschärfe nach der Aufnahme noch verstellen. Beim iPhone öffnest du das Foto in der Fotos-App, tippst auf Bearbeiten und ziehst am Blenden-Regler. So rettest du ein Bild mit zu starker oder zu schwacher Unschärfe.
- Zuschnitt und Farbe mit Augenmaß. Zieh Kontrast und Sättigung nur leicht an. Übertriebene Filter und glatt gebügelte Haut fallen sofort als unecht auf.
Gute Porträts brauchen kein Spitzenmodell
Jetzt die ehrliche Einordnung, und die gehört zu unserem Geschäft. Für ein schönes Porträt zählt nicht die Megapixelzahl, sondern eine ordentliche Hauptkamera mit gutem Porträtmodus und, wenn möglich, ein Teleobjektiv. Genau das bieten schon Geräte, die ein, zwei Generationen zurückliegen, als geprüftes, generalüberholtes Smartphone günstiger als fabrikneu. Warum die Megapixel wenig aussagen, steht im Ratgeber Der Megapixel-Mythos. Stöbern kannst du im Smartphone-Sortiment.
Talkis Empfehlung
Fang beim Licht an, halt Abstand, wähl den Porträtmodus und setz den Fokus aufs Auge. Diese vier Handgriffe heben deine Porträts spürbar, egal mit welchem Handy. Der teuerste Fehler ist nicht das falsche Gerät, sondern Gegenlicht und zu wenig Abstand. Bei Fragen, welches Gerät zu deiner Art zu fotografieren passt, frag mich.
Häufige Fragen
Wie mache ich den Hintergrund bei einem Porträt unscharf? Wähl vor dem Auslösen den Porträtmodus. Beim iPhone wischst du in der Kamera zu Porträt, bei Samsung tippst du auf Porträt, beim Pixel wählst du Porträt im Modus-Karussell. Zusätzlich hilft es, wenn die Person ein paar Meter Abstand zum Hintergrund hat, dann wird er auch von sich aus weicher.
Welche Kamera nehme ich für Porträts, die Haupt- oder die Telelinse? Wenn dein Handy ein Teleobjektiv hat, nimm es. Die längere Brennweite, meist als 2x oder 3x im Sucher, gibt natürlichere Gesichtsproportionen als der Weitwinkel aus der Nähe. Geh dafür einen Schritt zurück statt ganz nah heran.
Welches Licht ist das beste für Porträts? Weiches, gerichtetes Licht. Bewölkter Himmel, Schatten oder die goldene Stunde schmeicheln dem Gesicht mehr als harte Mittagssonne. Drinnen ist ein großes Fenster von der Seite die einfachste gute Lichtquelle. Wichtig ist nur, dass das Licht ins Gesicht fällt und nicht dahinter steht.
Brauche ich fürs Porträtfotografieren das neueste Handy? Nein. Entscheidend sind ein guter Porträtmodus und idealerweise ein Teleobjektiv, beides haben schon ältere und generalüberholte Geräte. Auf die Megapixelzahl kommt es kaum an.