Gorilla Glass: die Generationen im Überblick

Gorilla Glass: die Generationen im Überblick

Tech-Wissen · Hintergrund
Dieser Artikel geht tiefer als unsere üblichen Ratgeber. Oben stehen die Einordnung und das praktische Fazit, weiter unten der Vergleich für alle, die genau wissen wollen, was jede Gorilla-Glass-Stufe wirklich gebracht hat und wie die Namen von 5 über Victus bis Armor zusammenhängen. Mit Quellen zum Nachlesen.

Auf dem Datenblatt deines Smartphones steht eine Zeile wie „Gorilla Glass Victus 2“ oder „Gorilla Glass 5“. Klingt nach einer simplen Nummer, bei der höher gleich besser wäre. So einfach ist es nicht. Corning, der Hersteller hinter Gorilla Glass, hat über die Jahre verschiedene Stufen gebaut, und jede setzt einen eigenen Schwerpunkt, mal auf Sturzfestigkeit, mal auf Kratzresistenz. Dazu kommt seit Kurzem ein zweiter Namensstrang, Gorilla Armor, der neben der Zahlenreihe läuft. Dieser Artikel sortiert die Generationen und erklärt, was jede tatsächlich verbessert hat. Die Einordnung oben, der Detailvergleich darunter.

Talkis Tipp. Wenn du dir nur eine Sache merkst: Eine höhere Nummer heißt nicht automatisch „in allem besser“. Victus 2 zum Beispiel wurde gegenüber Victus vor allem beim Sturz auf rauen Boden verbessert, die Kratzresistenz blieb ähnlich. Achte also weniger auf die reine Zahl und mehr darauf, ob dir Sturz- oder Kratzschutz wichtiger ist, und leg im Zweifel ohnehin eine Schutzfolie drauf, die fängt die Alltagskratzer ab. — Talki, dein Berater

Das Wichtigste in Kürze

  • Gorilla Glass ist ein Markenname von Corning, kein einzelnes Material. Die Grundlage aller Stufen ist chemisch gehärtetes Aluminosilikatglas.
  • Die Zahlenreihe läuft von 2008 bis heute: Original, 2, 3, 4, 5, 6, dann der Sprung zu den Victus-Stufen.
  • Ab Victus ändert sich die Benennung. Statt weiterzuzählen, nennt Corning die Spitzenprodukte Victus, Victus 2 und den neueren Zweig Gorilla Armor.
  • Jede Generation hat einen Schwerpunkt. Manche Stufen zielen auf Stürze, andere auf Kratzer, wieder andere auf mehrere Stürze hintereinander.
  • Höher ist nicht pauschal besser. Welche Stufe für dich passt, hängt davon ab, was du schützen willst.
  • Corning-Angaben stammen aus Labortests. Sie beschreiben definierte Bedingungen, nicht jeden Alltagssturz. Eine Bruchsicherheit gibt es bei keiner Stufe.

Wie die Namen zu lesen sind

Bis 2018 war die Logik einfach: Corning zählte hoch, von Gorilla Glass über 2, 3, 4, 5 bis 6. Höhere Zahl, neuere Rezeptur. 2020 brach der Hersteller mit diesem Schema und nannte die nächste Stufe Victus statt „Gorilla Glass 7“. Der Grund war Marketing, aber auch Abgrenzung: Victus stand für die neue Oberklasse. Darauf folgte Victus 2, und parallel entstand mit Gorilla Armor ein zweiter Premiumzweig, der zusätzlich eine Entspiegelung mitbringt.

Wichtig für die Einordnung: Victus und Armor liegen oberhalb der alten Zahlenreihe, sind also die moderneren, robusteren Stufen. Daneben gibt es günstigere Varianten wie Gorilla Glass 7i für preiswertere Geräte. Die Nummer allein sagt dir also nicht, wo ein Glas einzuordnen ist, du musst den Namen kennen.

Die Generationen im Überblick

Generation Jahr Schwerpunkt laut Corning
Gorilla Glass (Original) 2008 Erstes gehärtetes Displayglas dieser Art
Gorilla Glass 2 2012 Dünner bei gleicher Widerstandsfähigkeit
Gorilla Glass 3 2013 Deutlich kratzresistenter als die Vorgänger
Gorilla Glass 4 2014 Besser gegen Schäden aus dem Fall
Gorilla Glass 5 2016 Sturzfestigkeit aus größerer Höhe
Gorilla Glass 6 2018 Mehrere Stürze hintereinander überstehen
Gorilla Glass Victus 2020 Klarer Sprung bei der Kratzresistenz
Gorilla Glass Victus 2 2022 Bessere Stürze auf rauen Böden wie Beton
Gorilla Armor 2024 Premiumglas mit Entspiegelung
Gorilla Armor 2 2025 Glas-Keramik, entspiegelt, Sturz auf Beton

Das Muster hinter dieser Reihe ist der eigentliche Kern: Corning verbessert selten alles gleichzeitig, sondern legt je Generation an einer anderen Stelle nach. Deshalb ist die Nummer kein Gesamtnote-Ranking. Wie das Härten überhaupt funktioniert, also der Ionenaustausch, der das Glas widerstandsfähig macht, steht ausführlich im Ratgeber Was ist Gorilla Glass? Displayschutz erklärt.

Die Victus-Familie im Detail

Für die meisten aktuellen und gebrauchten Oberklasse-Smartphones ist die Victus-Familie der relevante Teil, deshalb hier der genaue Blick.

Gorilla Glass Victus kam 2020 und war der große Sprung nach Gorilla Glass 6. Corning nennt als Kennwert der Labortests eine etwa doppelt so hohe Kratzresistenz gegenüber Glass 6 und Stürze aus rund zwei Metern auf eine harte Oberfläche. Damit lag der Schwerpunkt vor allem auf den Kratzern, dem Alltagsproblem Nummer eins.

Gorilla Glass Victus 2 folgte 2022. Hier ist die entscheidende Nuance: Die Kratzresistenz blieb auf dem hohen Niveau von Victus, verbessert wurde vor allem das Verhalten beim Sturz auf raue, harte Böden wie Beton. Corning hat dafür die Glaszusammensetzung angepasst. Wer also von Victus auf Victus 2 schaut, bekommt nicht überall mehr, sondern gezielt mehr Sicherheit auf dem Gehweg. Genau das meint der Hinweis, dass die höhere Nummer nicht pauschal „besser“ heißt.

Der Armor-Zweig: Glas trifft Keramik

Seit 2024 gibt es neben der Victus-Reihe den Namen Gorilla Armor. Die erste Armor-Stufe brachte als Besonderheit eine Entspiegelung, die Reflexionen im Display sichtbar reduziert, ein Vorteil vor allem draußen in der Sonne.

Gorilla Armor 2 von 2025 geht einen Schritt weiter und ist laut Corning die erste Gorilla-Stufe auf Basis einer Glas-Keramik statt reinen Glases, weiterhin mit Entspiegelung. In den Labortests des Herstellers überstand Armor 2 Stürze aus bis zu 2,2 Metern auf eine betonähnliche Oberfläche und behielt zugleich seine Kratzresistenz. Das ist die derzeit oberste Stufe. Sie zeigt zugleich, dass „Gorilla Glass“ als Sammelbegriff inzwischen mehr umfasst als nur klassisches Glas.

Warum die höhere Nummer nicht automatisch besser für dich ist

Der rote Faden durch alle Generationen: Sturzfestigkeit und Kratzresistenz sind zwei getrennte Eigenschaften, und Corning verbessert sie abwechselnd. Ein Display kann gegen Stürze aufgerüstet sein und trotzdem ähnlich kratzempfindlich bleiben wie der Vorgänger, siehe Victus zu Victus 2.

Für die Praxis heißt das: Frag dich zuerst, was bei dir häufiger passiert. Landet das Handy oft auf hartem Boden, zählt der Sturzschwerpunkt. Wandert es viel mit Schlüsseln und Sand in derselben Tasche, zählt die Kratzresistenz. Und weil kein Glas gegen Partikel hilft, die härter sind als es selbst, etwa Quarzsand, bleibt eine Schutzfolie über jeder Generation sinnvoll. Wie sich Folie und Panzerglas unterscheiden, steht im Ratgeber Panzerglas oder Hülle: Was schützt dein Handy wirklich.

Was das für dich heißt, auch beim Gebrauchtkauf

Von außen sieht man einer Scheibe die Generation nicht an. Die verlässliche Quelle ist das Datenblatt des jeweiligen Modells beim Hersteller, dort steht die genaue Gorilla-Glass-Stufe. Und die sagt mehr über die Robustheit aus als das bloße Wort „Displayschutz“.

Oft übersehen wird der zweite Punkt: Gehärtetes Glas altert kaum. Die Druckschicht, die das Glas widerstandsfähig macht, baut sich im normalen Gebrauch nicht ab. Ein kratzfreies Display an einem generalüberholten Smartphone ist deshalb genauso belastbar wie am ersten Tag, und die verbaute Generation bleibt dieselbe wie ab Werk. Ein Modell mit Victus 2 ab Werk hat auch geprüft gebraucht Victus 2. Bei talk-point wird der Zustand jedes refurbished Geräts im Haus geprüft, und das Display gehört zu den geprüften Punkten. So weißt du, dass die Scheibe intakt ist, egal ob du dich für ein neues oder ein generalüberholtes Gerät entscheidest.

Talkis Empfehlung

Gorilla Glass ist keine Nummer, die man einfach von unten nach oben liest. Die Reihe von Glass 5 über 6 zu Victus, Victus 2 und dem Armor-Zweig beschreibt verschiedene Schwerpunkte, nicht eine simple Rangfolge. Für dich zählt am Ende, ob dir Sturz- oder Kratzschutz wichtiger ist, und dass du ohnehin eine Folie einplanst. Wenn du über ein neues oder geprüft gebrauchtes Smartphone nachdenkst, schau ins Datenblatt, welche Stufe verbaut ist, und wähl danach, was zu deinem Alltag passt, statt allein nach der größten Zahl.

Geprüfte Smartphones ansehen

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Gorilla Glass Victus und Victus 2? Victus kam 2020 und brachte vor allem einen Sprung bei der Kratzresistenz gegenüber Gorilla Glass 6. Victus 2 folgte 2022 und legte in erster Linie beim Sturz auf raue, harte Böden wie Beton nach, während die Kratzresistenz auf dem hohen Niveau von Victus blieb. Corning verbessert je Stufe gezielt eine Eigenschaft, nicht alle gleichzeitig.

Welches Gorilla Glass ist das beste? Die derzeit oberste Stufe ist Gorilla Armor 2 von 2025, eine entspiegelte Glas-Keramik, die in Corning-Labortests Stürze aus bis zu 2,2 Metern auf betonähnlichem Untergrund überstand. „Das beste“ hängt aber vom Zweck ab, je nach Stufe sind Kratz-, Sturz- oder Entspiegelungs-Stärken unterschiedlich ausgeprägt.

Ist Gorilla Glass 5 oder 6 besser? Gorilla Glass 6 von 2018 ist die neuere Stufe und war darauf ausgelegt, mehrere Stürze hintereinander zu überstehen. Glass 5 von 2016 legte den Fokus auf einen Sturz aus größerer Höhe. Beide liegen unterhalb der Victus-Stufen.

Heißt eine höhere Nummer immer besseren Schutz? Nein. Die Bezeichnungen beschreiben verschiedene Schwerpunkte. Eine Stufe kann beim Sturz zulegen und bei den Kratzern nahezu gleich bleiben. Deshalb lohnt der Blick, was genau verbessert wurde, statt nur auf die Zahl zu schauen.

Bekommt ein generalüberholtes Handy schlechteres Gorilla Glass? Nein. Das verbaute Glas ist Teil des Modells und ändert sich durch die Nutzung nicht. Ein Modell mit Victus 2 ab Werk hat auch geprüft gebraucht Victus 2.

Quellen und zum Weiterlesen

Weiterlesen

Vorheriger Artikel Galaxy A54 heute noch kaufen? Die Mittelklasse-Frage
z