Ist refurbished wirklich grüner? Was die ADEME-Studie über generalüberholte Geräte sagt

Ist refurbished wirklich grüner? Was die ADEME-Studie über generalüberholte Geräte sagt

Refurbished ist eines unserer Standbeine bei talk-point: Wir prüfen gebrauchte Technik auf Herz und Nieren und geben ihr ein zweites Leben, statt sie aussortieren zu lassen. Dass das clever für den Geldbeutel ist, weiß jeder. Dass es auch der Umwelt hilft, war lange ein Bauchgefühl, das gut klingt, das aber ehrlicherweise jeder Shop behauptet. Ein Gerät ein zweites Mal zu verkaufen, ist eben erst mal ein Geschäftsmodell und kein Umweltsiegel.

Jetzt gibt es endlich harte Zahlen, und sie kommen nicht von uns und auch von keinem anderen Händler, sondern von einer staatlichen Umweltbehörde: Die französische ADEME hat 2022 die erste große Ökobilanz für generalüberholte Elektronik vorgelegt. Das Ergebnis ist deutlich, und ehrlich gesagt ziemlich gut für alle, die refurbished kaufen. Wir zeigen dir, was darin steht, wie groß der Unterschied wirklich ist und wo der Haken liegt, den wir nicht verschweigen.

Talkis Tipp. Achte bei jeder Umwelt-Aussage zu refurbished darauf, ob eine unabhängige Quelle dahintersteht. „Spart CO₂" ohne Beleg ist nur ein Werbeversprechen. Die ADEME-Zahlen sind belastbar, weil sie von einer Behörde stammen und den gesamten Lebensweg eines Geräts vergleichen, refurbished gegen neu. — Talki, dein Berater

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein generalüberholtes Smartphone verursacht laut ADEME 64 bis 87 % weniger Umweltwirkung pro Jahr als ein neues, je nach betrachtetem Indikator (ohne ionisierende Strahlung, die durch den französischen Atomstrom-Mix gesondert zu lesen ist).
  • Beim Klima sind es rund 87 % weniger, beim Elektroschrott rund 84 %. Pro Gerät und Jahr werden so etwa 24,6 kg Treibhausgase, der Abbau von rund 76,9 kg Rohstoffen und rund 22.900 Liter Wasser vermieden.
  • Der größte Hebel liegt in der Produktion: Der überwiegende Teil der Umweltlast eines Smartphones entsteht, bevor es überhaupt eingeschaltet wird.
  • Es gibt eine starke Streuung, Faktor 3 bis 11, je nachdem wie sauber aufbereitet wird. Refurbished ist also nicht gleich refurbished.
  • Der Umweltvorteil wächst, je länger das zweite Leben dauert und nur, wenn das geprüfte Gerät einen Neukauf wirklich ersetzt.

Das Problem: ein Smartphone ist fast fertig, bevor es loslegt

Die meisten denken beim Stromverbrauch eines Handys an das Laden. Tatsächlich liegt der weitaus größere Teil der Umweltlast in der Herstellung. In einem Smartphone stecken mehr als ein Dutzend verschiedene Rohstoffe, von Aluminium und Kupfer bis zu Gold und Kobalt. Sie müssen abgebaut, transportiert, raffiniert und verarbeitet werden, oft unter hohem Energie- und Wasseraufwand. Dazu kommt am Ende die Frage, was mit dem Altgerät passiert.

Genau hier setzt die Idee von refurbished an: Ein Gerät, das schon existiert, ein zweites Mal in Umlauf zu bringen, spart den teuersten und umweltintensivsten Schritt komplett ein, nämlich die Neuproduktion. Die Frage war lange nur, wie groß dieser Effekt wirklich ist. Vermutet wurde viel, gemessen wenig.

Die Studie: warum man der ADEME glauben kann

Im Auftrag der ADEME, der französischen Agentur für ökologischen Wandel, wurde 2022 eine umfangreiche Ökobilanz erstellt: „Assessment of the environmental impact of a set of refurbished products". Durchgeführt haben sie die unabhängigen Gutachter DDemain, Hubblo und LCIE Bureau Veritas. Untersucht wurden Smartphones, Tablets, Laptops und weitere Geräte über ihren gesamten Lebensweg, refurbished im direkten Vergleich zu neu.

Das Entscheidende: Es ist keine Studie eines Händlers, sondern die einer staatlichen Umweltbehörde, erstellt nach der genormten Lebenszyklus-Methode (ISO 14040/14044) und einer kritischen Fachprüfung unterzogen. Es geht also nicht um Marketing, sondern um eine Ökobilanz nach Methode. Eine englischsprachige Zusammenfassung ist frei verfügbar, das Original auf Französisch ebenso.

Die Ergebnisse: wie groß der Unterschied wirklich ist

Die zentrale Aussage der ADEME ist eindeutig formuliert: Der Kauf eines generalüberholten Smartphones reduziert die jährliche Umweltwirkung um 64 bis 87 Prozent gegenüber einem Neugerät, je nach betrachtetem Indikator (ausgenommen die ionisierende Strahlung, die wegen des französischen Atomstrom-Mixes gesondert zu betrachten ist). Das ist kein einzelner schöner Wert, sondern eine Spanne über mehrere Umweltwirkungen hinweg.

Refurbished statt neu, pro Jahr und Smartphone
64–87 %
weniger Umweltwirkung über die gemessenen Indikatoren — Quelle: ADEME-Studie 2022

Hinter dieser Spanne stehen handfeste Einzelwerte. Mehrere davon nennt die ADEME konkret, jeweils pro Gerät und Jahr vermieden:

87 %
weniger Klimawirkung
refurbished vs. neu, pro Gerät und Jahr
84 %
weniger Elektroschrott
refurbished vs. neu, pro Gerät und Jahr
76,9 kg
Rohstoffe nicht abgebaut
vermiedener Materialaufwand pro Gerät und Jahr
24,6 kg
Treibhausgase gespart
vermiedene CO₂-Äquivalente pro Gerät und Jahr
22.900 l
Wasser gespart
vermiedener Wasserverbrauch pro Gerät und Jahr

Hochgerechnet wird daraus eine große Zahl: Allein in Frankreich wurden 2020 rund 2,8 Millionen generalüberholte Smartphones verkauft. Das entspricht laut ADEME dem vermiedenen Abbau von rund 215.000 Tonnen Rohstoffen und rund 69.000 Tonnen weniger CO₂ pro Jahr.

Das 87-Prozent-Beispiel lässt sich auch andersherum lesen: Von der Klimalast, die ein neues Smartphone verursacht, bleibt bei einem generalüberholten nur etwa ein Achtel übrig.

Klimawirkung im Vergleich (Anhaltswert nach ADEME)
Neu
100 %
Refurbished
~13 %

Der ehrliche Teil: refurbished ist nicht gleich refurbished

Hier wird die Studie besonders interessant, denn sie schönt nichts. Die ADEME stellt eine erhebliche Streuung fest: Innerhalb des Marktes liegt der Umweltvorteil je nach Aufbereiter um den Faktor 3 bis 11 auseinander. Mit anderen Worten: Eine gute Aufbereitung spart ein Vielfaches dessen, was eine schlechte spart.

Woran liegt das? Vor allem an der Praxis dahinter:

  • Ersatzteile. Werden viele neue Teile verbaut, sinkt der Vorteil, weil auch Ersatzteile in der Herstellung Umweltlast tragen. Selbst dann bleibt refurbished laut ADEME deutlich im Vorteil, aber eben weniger stark.
  • Transportwege. Ein Gerät, das um die halbe Welt zur Aufbereitung und wieder zurück reist, frisst einen Teil der Ersparnis wieder auf.
  • Verpackung und Zubehör. Neues Zubehör in jeder Packung addiert sich.
  • Lebensdauer des zweiten Lebens. Je länger das geprüfte Gerät genutzt wird, desto größer der Vorteil, betont die ADEME ausdrücklich. Und der Effekt zählt nur richtig, wenn das geprüfte Gerät einen Neukauf tatsächlich ersetzt und nicht zusätzlich angeschafft wird. Die Studie warnt sogar davor, den Refurbished-Markt zur Entschuldigung für Mehrkonsum zu machen.

Das ist die eigentliche Botschaft der Studie: Der Umweltvorteil ist real, aber er hängt davon ab, wie sauber gearbeitet wird. Deshalb lohnt es sich, beim Kauf auf den Anbieter und seinen Prüfprozess zu schauen, nicht nur auf das Wort „refurbished".

Was das für deinen Kauf bedeutet

Jetzt kommt der Teil, der die Studie für dich praktisch macht. Ihre wichtigste Erkenntnis ist nicht „refurbished ist gut", sondern: der Umweltvorteil hängt davon ab, wie sauber aufbereitet wird — erinnerst du dich an den Faktor 3 bis 11? Für den Kauf heißt das: Schau nicht auf das Etikett „refurbished", sondern auf den Anbieter dahinter.

Und genau da liegt unser Job. Jedes Gerät durchläuft bei uns einen Funktions- und Optik-Check, bevor es ein zweites Leben bekommt, und du siehst den Zustand vorher offen ausgewiesen, statt dich auf ein Wort verlassen zu müssen. Du wählst den Zustand, der zu dir passt. Was wir bewusst *nicht* sagen: „Kauf bei uns und rette das Klima" — das wäre genau die Sorte Behauptung, vor der die Studie warnt. Was wir sagen: Ein geprüftes Gerät, das lange hält, ist die Wahl, bei der Preis und Umweltbilanz zusammenpassen.

Wer tiefer einsteigen will: Wie lange ein Gerät überhaupt durchhält, hängt stark von Software-Updates und der Reparierbarkeit ab. Das neue EU-Energielabel für Smartphones macht beides erstmals vergleichbar. Und dass der Gedanke nicht beim Handy aufhört, zeigt der Ratgeber zu refurbished Großgeräten.

Talkis Empfehlung

Die Studienlage ist eindeutig genug, um die alte Skepsis abzuhaken: refurbished statt neu spart über den ganzen Lebensweg den großen Brocken an Umweltlast — vorausgesetzt, sauber aufbereitet und lange genutzt. Mein Rat: Achte auf einen echten Prüfprozess, einen offen ausgewiesenen Zustand und ein Gerät, das du lange behalten willst. Dann stimmt der Preis, und die Bilanz stimmt gleich mit. Fragen? Frag mich.

Generalüberholte Smartphones entdecken

Häufige Fragen

Ist ein refurbished Smartphone wirklich umweltschonender als ein neues? Laut der ADEME-Studie 2022 ja: Ein generalüberholtes Smartphone verursacht pro Jahr 64 bis 87 % weniger Umweltwirkung als ein neues, je nach Indikator. Beim Klima sind es rund 87 %. Die Studie stammt von einer staatlichen Umweltbehörde, nicht von einem Händler.

Warum entsteht der größte Umweltschaden in der Produktion? Weil Abbau, Transport und Verarbeitung der Rohstoffe sowie die Fertigung den weitaus größten Teil der Umweltlast ausmachen, lange bevor das Gerät zum ersten Mal lädt. Ein zweites Leben spart genau diesen Schritt.

Heißt das, jedes refurbished Gerät ist gleich gut für die Umwelt? Nein. Die ADEME stellt im Markt eine Streuung um den Faktor 3 bis 11 fest, je nach Aufbereitungspraxis: Ersatzteile, Transportwege, Verpackung und die Länge des zweiten Lebens. Auf einen sauberen Prüfprozess zu achten lohnt sich.

Zählt der Vorteil auch, wenn ich das Gerät zusätzlich kaufe? Der volle Effekt zählt nur, wenn das geprüfte Gerät einen Neukauf wirklich ersetzt. Ein zusätzlich angeschafftes Zweitgerät spart entsprechend weniger.

Wo finde ich die Studie im Original? Bei der ADEME, sowohl als englische Zusammenfassung als auch als französisches Original.

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