Smartwatch wasserdicht? 5 ATM, 10 ATM und ISO erklärt
„5 ATM, also 50 Meter, da kann ich ja tauchen." Genau dieser Schluss ist falsch und kann eine teure Uhr ruinieren. Bei Smartwatches und Sportuhren steht der Wasserschutz anders auf dem Papier als beim Smartphone, und die Zahlen bedeuten etwas anderes, als die meisten denken. Hier erfährst du, was ATM, WR50 und die ISO-Normen wirklich aussagen und welche Uhr fürs Schwimmen, Schnorcheln oder Tauchen taugt.
Das Wichtigste in Kürze
- ATM ist ein Prüfdruck, keine Tauchtiefe. 5 ATM bedeutet, die Uhr hielt im Labor dem Druck einer 50-Meter-Wassersäule stand, nicht dass du 50 Meter tief darfst.
- 5 ATM / WR50: Schwimmen in Pool und Meer ist in Ordnung, Tauchen, Springen und Wasserski nicht.
- 10 ATM: Schwimmen und Schnorcheln, aber ebenfalls kein Gerätetauchen.
- Echtes Tauchen braucht eine Uhr nach Tauch-Norm (ISO 6425 bzw. EN13319), etwa die Apple Watch Ultra bis 40 Meter.
- Eine reine IP-Angabe (IP67/IP68) ist kein Schwimm-Freibrief; maßgeblich ist die Schwimm-Freigabe des Herstellers.
- Der Schutz lässt nach und gilt nicht für warmes Wasser, Sauna, Seife und Salzwasser.
ATM heißt Druck, nicht Tiefe
Das ist der zentrale Irrtum. Eine Angabe wie „5 ATM" stammt aus einem Labortest nach der Norm ISO 22810: Die Uhr hält dem statischen Druck einer 50-Meter-Wassersäule für eine definierte Zeit stand. Beim Schwimmen, Springen oder durch Wellen entsteht aber dynamischer Druck, der den statischen Prüfwert kurzzeitig deutlich übersteigt. Deshalb darf man mit einer 5-ATM-Uhr nicht 50 Meter tief, sondern eben nur das, was der Hersteller freigibt.
ISO 22810 oder ISO 6425: Gebrauchsuhr gegen Taucheruhr
Es gibt zwei Welten:
- ISO 22810 ist die Norm für wasserdichte Gebrauchsuhren. Geprüft wird mit statischem Druck, in Stichproben aus der Produktion. Das reicht für Alltag und Schwimmen, nicht fürs Tauchen.
- ISO 6425 ist die Norm für echte Taucheruhren. Geprüft wird mit höherem Druck, länger, jede einzelne Uhr, dazu dynamischer Druck, Salzwasser und mehr. Nur solche Uhren dürfen sich Taucheruhr nennen.
„Wasserdicht" heißt also nicht automatisch „tauchtauglich".
Die Stufen praktisch übersetzt
- 3 ATM: nur Spritzwasser und Regen, kein Schwimmen.
- 5 ATM / WR50: Schwimmen in Pool und Meer, kein Tauchen, kein Springen, kein Wasserski.
- 10 ATM: Schwimmen und Schnorcheln, aber kein Gerätetauchen.
- Echtes Tauchen: nur mit Uhr nach ISO 6425 oder EN13319.
Was die Hersteller selbst sagen
- Apple Watch (Series 2 bis 10): nach ISO 22810 mit WR50 wasserdicht, also geeignet zum flachen Schwimmen, ausdrücklich nicht zum Tauchen oder für Hochgeschwindigkeitswasser.
- Apple Watch Ultra: WR100 und nach EN13319 ausgelegt, geeignet fürs Freizeit-Gerätetauchen bis 40 Meter, mit Tiefen-App.
- Samsung Galaxy Watch (5 ATM): wasserdicht bis 50 Meter für 10 Minuten, nicht in Wasser mit hoher Strömung, nicht über 45 Grad (Sauna, Whirlpool).
- Garmin: auch 10-ATM-Sportuhren sind ausdrücklich nicht zum Gerätetauchen gedacht, dafür gibt es eigene Tauchcomputer.
IP-Angabe ist nicht dasselbe wie ATM
Manche Wearables tragen nur eine IP-Angabe wie IP68. Die misst nach der Norm IEC 60529 das Eintauchen unter ruhigen Bedingungen, nicht den dynamischen Druck beim Schwimmen. Eine reine IP-Angabe ohne ATM- oder Schwimm-Freigabe ist deshalb kein Freibrief fürs Becken. Worauf es bei der IP-Angabe beim Smartphone ankommt, erklärt der Ratgeber Wasserdicht: IP67, IP68 und Co..
Ehrliche Grenzen
- Warmes Wasser, Sauna, Dampf (über etwa 45 Grad) meiden, das greift die Dichtungen an.
- Seife, Shampoo, Sonnencreme, Parfüm vermeiden.
- Salzwasser nach dem Baden mit Süßwasser abspülen.
- Springen und Hochdruck (Düsen, Wasserrutsche) sind tabu, außer bei echten Taucheruhren.
- Der Schutz nimmt mit der Zeit ab, durch Alter, Stöße und Dichtungsverschleiß.
Was heißt das beim Gebrauchtkauf?
Bei einer gebrauchten oder im Haus geöffneten Uhr ist die ursprüngliche Wasserdichtigkeit nicht mehr zugesichert, Dichtungen altern, und jede Öffnung kann den Schutz aufheben. Sieh die ATM-Angabe eines älteren Modells als Hinweis auf die Bauart, nicht als Garantie, und behandle die Uhr im Zweifel vorsichtiger. Stöbern kannst du bei den Smartwatches und Apple Watches.
Talkis Empfehlung
Nutz die ATM-Angabe richtig: 5 ATM heißt schwimmen ja, tauchen nein. Fürs Becken oder Meer ist eine Smartwatch mit WR50 oder 5 ATM passend, fürs Tauchen brauchst du eine Uhr mit echter Tauch-Norm. Halte die Uhr von Sauna, Seife und Salzwasser fern und spül sie nach dem Meer ab. Wenn du unsicher bist, welche Uhr zu deinem Sport passt, frag mich.
Häufige Fragen
Kann ich mit 5 ATM oder WR50 schwimmen gehen? Ja, Pool- und Meeresschwimmen sind freigegeben, aber kein Tauchen, kein Sprung ins Wasser und kein Wasserski.
Heißt 5 ATM, dass ich 50 Meter tief tauchen darf? Nein. 50 Meter ist der Laborprüfdruck, keine erlaubte Tiefe.
Was ist der Unterschied zwischen IP68 und 5 ATM? IP68 prüft Eintauchen unter ruhigen Bedingungen, 5 ATM prüft Wasserdruck. Fürs Schwimmen zählt die Schwimm-Freigabe des Herstellers, nicht allein die IP-Zahl.
Welche Smartwatch darf wirklich tauchen? Nur Modelle mit Tauch-Norm (ISO 6425 oder EN13319), etwa die Apple Watch Ultra bis 40 Meter, oder dedizierte Tauchcomputer.
Darf die Uhr mit in die Sauna oder unter die warme Dusche? Nein. Wasser über etwa 45 Grad und Dampf greifen die Dichtungen an, auch Seife schadet.
Bleibt die Wasserdichtigkeit dauerhaft? Nein. Sie nimmt durch Alter, Stöße, Hitze und Dichtungsverschleiß ab, gerade bei gebrauchten oder geöffneten Uhren.